"Die eine wahre Sache gibt es nicht." Ernie H.

"Wenn die Seele bereit ist, sind es die Dinge auch.“ Billy S.

06 März 2010

Katholisch? Jesus! (Newton!)

"Die katholische Kirche bemüht sich." Yeah, right! Stotternde Bischöfe auf allen Kanälen, die abwechselnd von „der Zeit“, „Minderheiten“, der „Pädophilie-Gesamtrate“ (zwei Prozent) stammeln, sich gegen einen „Generalverdacht“ aussprechen und auf das „Kirchenrecht“ verweisen. Hat ja alles viel gebracht.

Als der FC Bayern seinen erfolgreichsten Trainer Ottmar Hitzfeld erst mit Sprüchen wie „Fußball ist keine Mathematik“ lädierte und dann unwürdig vom Hof jagte, bin ich ausgetreten. Als die Deutsche Filmakademie meinte Roman Polanskis erwiesene Vergewaltigung einer 13jährigen als „Tat, die er begangen haben soll“ unaufgefordert bagatellisieren zu müssen, habe ich meine Mitgliedschaft gekündigt.

Zieht man die Apokryphen, die vom Vatikan aussortierten, verbotenen Evangelien hinzu, bekommt man einen guten Eindruck vom Leben und Wirken desjenigen, auf den sich all dieser Wahnsinn bezieht: Der Jesus, in dessen Name Pedanten und Sadisten seit Jahrhunderten Menschen quälen, müßte sich im Grab umdrehen (wenn er noch drin liegt?) – nein, im Grab rotieren, so daß wohl so oder nichts mehr von ihm übrig ist.

Nun erreicht mit dem Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, unter dessen Obhut 1964 bis 1994 die Regensburger Domspatzen Gewaltspielchen ausgesetzt waren („Nichts bekannt“! Klar!) der aktuelle Stand der Dinge den Chef der Truppe. Ohnehin ja ein Musterbeispiel eifrigster Rückwendigkeit, sozusagen back to the future.

2005, als der Marler Joseph Alois Ratzinger alias Benedikt XVI. vom Münchner Erzbischof zum ersten deutschen Papst seit 1523 aufstieg, hieß es „Wir sind Papst“. Und nun? Schämen wir uns?

Zumindest deutsche Katholiken, also steuerzahlende Mitglieder, die ihrer Kirche mit ihren Kirchensteuern die Exzesse mit ermöglich(t)en, sollten sich schämen, wenn sie das nötige Schamgefühl haben. Und sie sollten austreten. Es ist ihre Kirche. Die Auftritte und Aussagen der Vertreter der katholischen Kirche zu den Mißbrauchsfällen, die Erkenntnisse zu den umfassenden, systematischen, weitreichenden, tiefgehenden Verschleierungen bis Januar 2010 sind peinlich, unerhört, verantwortungslos. Und wie praktisch, daß alle bisher bekannt gewordenen Fälle - bisher Hunderte, bald Tausende? - bisher, ‚leider‘ der Verjährung anheimfallen (nach dem deutschem Strafgesetzbuch 20 Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahres der Opfer).

Es tut sich wohl deutlich leichter zu offenbaren, zu gestehen, zu bedauern, zu 'büßen' (was das dort heißt, nicht bei uns), wenn keine Strafe mehr zu befürchten ist.

Ignorieren, wegschauen, beschönigen, drum herum reden, leugnen, so lang wie nur möglich – das hat ja durchaus Tradition in der katholischen Kirche: woher die Pest kommt bzw. was sie verursacht, daß die Erde rund ist, daß wir von den Fischen abstammen, daß Kondome gegen Aids helfen, daß manches junge Mädchen mit einer Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung überfordert ist, all das und noch viel mehr ist weit weg von den alten Männern hinter den Mauern einer Institution, die ihre Angelegenheiten lieber selbst regelt als sich nach geltendem Recht zu richten.

Im Jahr 1600 wurde Giordano Bruno wegen „Magie und Ketzerei“ auf dem Campo de’ Fiori verbrannt. Er hatte festgestellt, daß das Weltall unendlich ist. Seine Veröffentlichungen wurden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt. Schlappe 400 Jahre später, im Jahr 2000, erklärte der Vatikan die Hinrichtung Brunos für unrecht.

Galileo Galilei, dessen Discorsi zu den wichtigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen aller Zeiten gehören, tiefgläubiges Mitglied der Kirche, wurde 1633 von dieser unter Hausarrest gestellt, verbunden mit dem Verbot jeglicher Lehrtätigkeit bis zu seinem Tod 1642 (ein der schon damals weltweiten Bedeutung Galileis angemessenes Begräbnis wurde unterbunden). Der Grund: Galilei bestätigte mit seinem Fernrohr die These des zuvor ebenfalls von Rom drangsalierten Kopernikus, daß die Erde sich um die Sonne bewegt – entgegen dem geozentrischen Sphärenunsinn, dem die katholische Kirche entgegen aller mit dem bloßen Auge möglichen Beobachtungen zum Trotz bis 1757 anhing. (In Indien guckte man aufmerksamer in den Himmel: Dort war schon rund 2.300 Jahre vorher klar, wie sich die Erde im Verhältnis zur Sonne verhält.)

Es dauerte allerdings noch einmal, bis Papst Pius VII. 1822 dann endlich den Bann Galileis beendete – und das auch nur notgedrungen, weil in diesen nun schon einigermaßen ‚aufgeklärten‘ Zeiten nun Isaac Newtons auf den Forschungen von Kopernikus, Bruno und Galilei beruhenden Erkenntnisse und Aussagen nun einfach leider nicht mehr wegargumentierbar und unterdrückbar waren.

Die Verurteilung Galileis aber nahm Rom erst 1992 zurück. Papst Johannes Paul II. entschuldigte sich. Das war vor 18 Jahren.

Sehen wir hier eine Tradition? ("Die katholische Kirche bemüht sich.") Eine Strategie? Müssen wir also noch ein paar hundert Jahre warten, bis die katholische Kirche sich dazu herabläßt, strafrechtlich relevante Vorgänge so zu behandeln, wie es in einem anständigen demokratischen Rechtsstaat mindestens seit dem zweiten Weltkrieg generell überwiegend üblich ist? (Lassen wir mal für einen Moment die Machenschaften der katholischen Kirche in Afrika, Asien und Südamerika außer acht – man muß ja irgendwo anfangen.)

Es ließe sich wohl etwas beschleunigen. Mit massenhaftem Austritt. Mit empfindlichen wirtschaftlichen Einbußen, wenn sich die Kirchensteuern damit verflüchtigen. Frei nach dem offenbar guten katholischen Motto: Wer nicht hören will, muß spüren.

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